Corporate Comics: Onkel Dagobert watschelt auf Lurchis Spuren
Egmont Ehapa, europäische Verlagsheimat von Donald Duck, Asterix und Lucky Luke, eröffnet eine eigene Sparte für Corporate Publishing, genauer gesagt „Corporate Comics“. Das klingt neu, ist es aber nicht. Die Geschichte der Corporate Comics reicht fast ein Jahrhundert zurück. Bereits in den 1920er Jahren begannen amerikanische Firmen damit, Werbeplätze auf den Comicseiten der Zeitungen zu buchen. Die machten damals noch richtig Eindruck auf die Leute, schön zu sehen am Beispiel Popeye: Der bewarb zwar keine spezifische Marke, sein bizepsfördernder Spinat-Konsum führte aber dennoch dazu, dass im ganzen Land der Verbrauch des grünen Gemüses um 30 Prozent anstieg. Kein Wunder, dass auch andere Helden sich mit dem einen oder anderen Lebensmittel dopten.
Der Erfolg des Comicstrips als Marketing-Tool fand allerdings schon früh ein jähes Ende. Dafür begann in den 1950ern das „Golden Age“ der Comics. Sie emanzipierten sich von den Tageszeitungen und wanderten als eigene Hefte in die Kioske. Auch die Corporate Comics versuchten hier mit mäßigem Erfolg ihr Glück. Ein gutes Beispiel für eine weniger gelungene Umsetzung ist die Kool-Aid-Man-Reihe, verlegt vom renommierten Haus Marvel (Spider-Man, X-Men u.v.a.). Die Geschichte: Das Maskottchen des Limonadenherstellers Kool Aid (ein Krug mit Gesicht auf Beinen) kämpft gegen Gangster, Alien-Invasoren und andere Schurken. Klingt bescheuert und so war es auch.(c) Marvel Comics
Die Serie brachte es auf gerade einmal ein halbes Dutzend Ausgaben und ist heute nicht mehr als eine von Genrefans belächelte Randnotiz. Nicht besser waren die Versuche, bekannte Comic-Helden als Testimonials zu benutzen. Der DC Verlag ließ etwa seine Gallionsfigur Superman auf das Nestlé-Maskottchen Quiky treffen – was für reichlich unfreiwillige Komik sorgte.
(c) DCComics
Es gibt allerdings auch positive Beispiele, die für den Vorstoß von Egmont Ehapa sprechen. Etwa die Abenteuer von Lurchi, der schon seit 1937 Kinder für die Schuhe der baden-württembergischen Traditionsfirma Salamander begeisterte. Und viele Finanzinstitute leisten sich eigene Comicfiguren, die Sparkassen mit KNAX oder die Volksbank mit Marc & Penny.
(c) Salamander
Taugt Onkel Dagobert wirklich als Markenbotschafter oder sind Lurchis Schuhe eine Nummer zu groß? Ich bin gespannt.
