Wie macht man Headlines, die sitzen? Das hier ist der Versuch, alle meine Erfahrung in fünf Faustregeln zu packen, die ein Redakteur immer vor Augen und noch besser direkt vor der Nase haben sollte.
(Bei mir sieht das so aus)
Erstens: Eine starke Überschrift enthält eine Behauptung, ein Versprechen oder eine Aufforderung (das ist die goldene Regel, die gilt immer).
Zweitens: Eine gute Überschrift zielt auf Instinkte, Triebe und Träume: Sex, Angst, Gier, Geld, Krankheit, Gewalt, Liebe, Hass und Tod. Wer für den Boulevard schreibt, nimmt das wörtlich. Wer für das Feuilleton schreibt, nimmt Assoziationen.
Drittens: Eine gute Überschrift ist so lang, wie eine gute Überschrift sein muss. Mal genügt ein Wort, mal ist es ein Satz. Aber Wort oder Satz sind immer einfach. Ein Begriff hat maximal zwei betonte Wortteile. Ein Satz maximal Subjekt, Prädikat, Objekt.
Viertens: Eine gute Überschrift benutzt konkrete Worte - also Dinge und Handlungen, zu denen das Gehirn sofort ein Bild hervorziehen kann. Und: Adjektive sind schwach, Hilfsverben zählen nicht als Verben und Substantivierungen sind keine Substantive.
Fünftens: Eine gute Überschrift formuliert nicht in Negationen, weil das Gehirn sich keine Negationen vorstellen kann.
Und die grafische Regel für alle Fälle, in denen Artdirektor und Redakteur mal wieder über die Länge und den Umbruch der Head streiten: Eine gute Überschrift steht im Layout extrem gut da. Sie krönt es. Wenn nicht, werden AD und Redakteur zusammen eingeschlossen, bis sie eine Lösung haben, die dieser Regel genügt.
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Stuttgart, Germany
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